Wie verändern sich künftig Suchverhalten und Nutzerintentionen?
Seit ChatGPT auf der Bildfläche erschienen ist, hat sich die Art, wie wir suchen, spürbar verschoben. Nutzer springen nicht mehr nur zwischen Links, sie erwarten vielmehr direkte Antworten, Dialog und Orientierung.
Wann ChatGPT verstärkt zum Einsatz kommt
- Wenn Nutzer konkrete Antworten wollen, die gut zusammengefasst sind, z. B.: „Erkläre mir in einfachen Worten, wie Photosynthese funktioniert“, statt lange Artikel zu durchforsten. ChatGPT bietet schnelle, verständliche Erklärungen.
- Für kreative und generative Aufgaben: Textentwürfe, Ideen für Content, Brainstorming, kreative Schreibaufgaben. Hier schlägt ChatGPT oft Google, weil die Interaktion offener sein kann.
- Für Gespräche bzw. Folgefragen: Wenn man entwickelt, nachhaken, umformen oder tiefer eintauchen will, geht das im Chat-Modus natürlicher als über viele unterschiedliche Google-Suchen.
Wo Google weiterhin dominiert
- Navigations- und Transaktionsabsichten: Wenn Nutzer etwas kaufen, eine bestimmte Webseite finden wollen oder lokale Dienstleistungen suchen („Pizzeria in meiner Nähe“), gehen die meisten sofort zu Google.
- Tiefergehende Recherche und Quellenvielfalt: Google bietet Zugriff auf verschiedene Websites, Studien, Foren etc. – ideal, wenn man unterschiedliche Perspektiven will oder prüfen muss, ob Informationen vertrauenswürdig sind.
- Bei vertraulichen, offiziellen oder aktuellen Informationen: Nachrichten, Gesetzestexte, Monatsberichte. Hier wird Google weiterhin stark genutzt, auch weil viele Tools wie News-Aggregatoren, Bildersuche, Maps etc. darauf ausgerichtet sind.
Semrush-Studie: ChatGPT verändert, aber ersetzt nicht
Die Semrush-Studie „ChatGPT Is Not Replacing Google—It’s Expanding Search“ liefert eindeutige Belege dafür, dass ChatGPT Google nicht verdrängt, sondern das Online-Suchverhalten erweitert. Die Grundlage der Analyse bilden etwa 260 Milliarden Clickstream-Datenzeilen, die zwischen Januar 2024 und Juni 2025 erhoben wurden. Untersucht wurden US-Nutzer auf Desktop-Geräten, und zwar solche, die ChatGPT erstmals im ersten Quartal 2025 verwendet haben (und davor keine Aktivität mit ChatGPT hatten), gegenüber einer Kontrollgruppe, die ChatGPT im gesamten Beobachtungszeitraum gar nicht nutzte.
Ein zentrales Ergebnis war, dass es nach der allerersten Nutzung von ChatGPT keinen Rückgang der Google-Suchaktivität gab. Ganz im Gegenteil: Die Google-Sessions blieben stabil oder stiegen leicht an. Dieser Trend zeigte sich über den Zeitraum von 90 Tagen vor und 90 Tagen nach der ersten ChatGPT-Session. Damit wird die sogenannte Expansionshypothese gestützt: ChatGPT ergänzt Google, ersetzt es aber nicht.
Die Kontrollgruppe – Nutzer, die ChatGPT nie verwendeten – zeigte im selben Zeitraum ebenfalls keine signifikanten Veränderungen in ihrem Google-Suchverhalten. Das verstärkt die Aussage, dass die beobachtete Stabilität bzw. leichte Zunahme von Google-Suchanfragen nicht einfach Teil eines generellen Trends war, sondern mit der Nutzung von ChatGPT zusammenhängt.
Die Studie zeigt, dass die Einführung von ChatGPT die Erwartung geweckt hat, dass Nutzer bestimmte Entscheidungsphasen, z. B. erste Orientierung, Vergleich, Recherche, zunehmend interaktiver und dialogischer gestalten. ChatGPT wird also in vielen Fällen zunächst genutzt, um Informationen grob zu sondieren oder Fragen zu klären, während Google dann zur tieferen, bestätigenden Recherche eingesetzt wird.
Warum SEO und das Google Ranking wichtig bleiben
Wer denkt, dass KI Google ablöst, irrt: Gerade jetzt ist ein starkes Ranking wichtiger denn je. Denn nur wer bei Google vorne steht, hat auch in der KI-Welt eine Chance zitiert zu werden.
Sichtbarkeit in beiden Welten
Selbst wenn ChatGPT oder AI-Zusammenfassungen eingesetzt werden, ziehen diese häufig Inhalte heran, die bereits bei Google gut ranken. Wer nicht im sichtbaren Bereich auffindbar ist, wird kaum als Quelle genannt werden. Das gilt für Google-SERPs und für AI-Antworten.
Glaubwürdigkeit und Autorität
Google bewertet Seiten nach Qualität, Expertise, Vertrauenswürdigkeit (E-E-A-T-Konzept), technischer Performance, Ladezeiten etc. All diese Signale beeinflussen nicht nur das Ranking von Websites, sondern auch ob AI-Tools diese Inhalte nutzen. Ein schneller, klar strukturierter Text mit verlässlichen Quellen erhöht die Wahrscheinlichkeit, zitiert zu werden.
Traffic und Monetarisierung
Je besser das Website-Ranking, desto mehr organische Klicks werden generiert; klassischer Traffic, der oft monetarisierbar ist. Wenn AI-Antworten direkt liefern, ohne dass Nutzer klicken, vermindert das zwar die Klicks, aber wenn Websites weit oben rangieren, können sie trotzdem in der Antwortstruktur erscheinen oder als Quelle genannt werden. Das hilft langfristig dem Branding, der Sichtbarkeit und indirekt auch dem Traffic.
GEO – Die Erweiterung von SEO
GEO, kurz für Generative Engine Optimization, geht einen Schritt über klassische SEO hinaus. Ziel ist es, Inhalte nicht nur für die Google-Suchergebnisse zu optimieren, sondern auch so aufzubereiten, dass sie in den Antworten von KI-gestützten Suchsystemen wie ChatGPT oder Perplexity berücksichtigt werden. Dabei spielen mehrere Faktoren eine entscheidende Rolle: Inhalte müssen maschinenfreundlich mit klaren Überschriften, Absätzen, FAQs oder Listen strukturiert sein, die das Auslesen durch KI erleichtern. Ebenso wichtig ist die Vertrauenswürdigkeit: Nur wer als seriöse Quelle auftritt, hat Chancen, in generativen Antworten zitiert zu werden. Auch Aktualität und Relevanz sind ausschlaggebend, da KI-Modelle häufig frische Informationen bevorzugen. Und nicht zuletzt gilt es, die Nutzerintention genau zu verstehen: Sucht jemand eine schnelle Kurzantwort, eine ausführliche Erklärung oder ein lokales Angebot? GEO setzt genau dort an, indem Inhalte so ausgerichtet werden, dass sie den jeweiligen Bedarf optimal abdecken.
Was sollten Content Creator und Website-Betreiber jetzt tun?
Die Suchwelt verändert sich unaufhaltsam. Wer sichtbar bleiben will, muss sich anpassen. Für Content Creator und Website-Betreiber heißt das: SEO bleibt Pflicht, GEO kommt als Kür hinzu.
Zunächst gilt es, das SEO-Fundament zu stärken. Ohne schnelle Ladezeiten, eine mobile Optimierung, eine saubere technische Struktur, ein klares Layout, prägnante Meta-Beschreibungen und ein überzeugendes Nutzererlebnis wird auch der beste Content nicht erfolgreich sein. Diese Grundlagen sind die Eintrittskarte für Sichtbarkeit im Netz.
Darauf aufbauend sollten Inhalte so gestaltet sein, dass sie in beiden Welten überzeugen: Sie müssen nicht nur in den Google-Suchergebnissen gut ranken, sondern auch für KI-gestützte Tools zitierfähig sein. Dazu gehören präzise Definitionen, klare Antworten und eine strukturierte Aufbereitung, die maschinenfreundlich auslesbar ist.
Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Erweiterung der Keyword-Strategie. Neben den klassischen Keywords spielen künftig auch Frageformate eine Rolle, wie sie Nutzer in ChatGPT stellen würden. Ebenso gewinnen Long-Tail-Keywords sowie lokale und regionale Begriffe an Bedeutung, um gezielt Suchintentionen abzudecken.
Und schließlich darf das Monitoring nicht zu kurz kommen. Es reicht längst nicht mehr aus, nur Google Analytics und gängige SEO-Kennzahlen im Blick zu behalten. Relevant ist auch, wie oft Inhalte in AI-Tools genutzt oder zitiert werden und welcher Traffic durch AI-Referrals entsteht. Hier helfen Studien und Tools wie die von Semrush, um die eigene Strategie datenbasiert anzupassen und langfristig erfolgreich zu bleiben.
Fazit: Google bleibt zentral – ChatGPT ergänzt und verändert
ChatGPT wird Google nicht ersetzen, da Google die Bereiche abdeckt, die AI-Tools (noch) nicht vollständig bedienen: breite Recherche, Navigation, lokale Ergebnisse, vieles was Nutzer gewöhnt sind. Aber ChatGPT & Co. verschieben das Suchparadigma: Nutzer erwarten schnellere Antworten, interaktivere Dialoge und oft geringere Friktion.
Für Content-Marketer heißt das: Wer Sichtbarkeit will, muss sowohl in klassischen Google-Rankings stark sein, als auch Inhalte so gestalten, dass sie in der neuen, AI-gestützten Suchwelt eine Rolle spielen (GEO, AEO etc.). Wer beides schafft, profitiert doppelt.
